Abenteuertour Indien
- Andre Schumacher
- 26. Nov. 2022
- 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 23. Sept. 2023

Indien Tour vom 29.06. bis 24.07.2022
Meine Reise durch Indien - der Start in das Abenteuer meines Lebens.
Wer hätte wohl erwartet, als ich im Februar 2022 entschieden habe mein Leben in Deutschland zu unterbrechen und auf Weltreise zu gehen, dass meine Reise mich derart verändert und zu einer neuen Person wachsen lässt. Nicht umsonst hört man immer wieder, dass eine Langzeitreise einem Menschen neue Türen öffnet, inspiriert und prägt. Nach einem entspannten und erholsamen Monat mit der Familie und meinen Freunden in der Heimat rückte der Tag der Abreise näher und die gemischten Gefühle aus Vorfreude und Anspannung stiegen. Am 28.06.2022 war es dann endlich soweit. Mit meinem viel zu voll gepackten Backpack und einem One-Way-Ticket von Deutschland nach Indien hieß es Abschied nehmen und rein in das Abenteuer Weltreise. Bereits auf der achtstündigen Zugfahrt quer durch Deutschland spielten meine Gedanken verrückt und ich war sehr froh, als ich in Frankfurt am Main den Flieger bestieg.
Kulturschock in Neu Delhi
Es war vollbracht! Indien – Neu Delhi – ich war angekommen und bereit, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Voller Power und Adrenalin verließ ich nach der obligatorischen Einreise-Bürokratie den Airport und wurde von einer warm-feuchten tropischen Hitzewelle begrüßt.
Angekommen im Hostel sah die Realität aber anfangs doch eher anderes aus als erwartet. Ein heftiger Kulturschock überrannte mich in der wilden, lebendigen Stadt Neu Delhi. Die ersten Tage waren entsprechend beschwerlich und anstrengend für mich. Über das Hostel buchte ich eine Tuk-Tuk Tour durch die Stadt und schnell wurde mir klar = Andre - Willkommen in einer anderen Welt!
In den ersten Tagen waren die gesammelten Eindrücke kaum zu verarbeiten, ich zog mich im Hostel zurück und versucht nach und nach Ideen zu sammeln, wie es für mich weiter geht. Schnell war der Entschluss gefasst, Neu Delhi in Richtung Landesinnere zu verlassen. Im Hostel lernte ich meinen ersten Backpacker-Kumpel kennen und war sehr froh, dass dieser ebenfalls aus Deutschland kam. Joni aus Berlin und ich verbrachten noch einen gemeinsam Tag in Neu Delhi und erkundeten zusammen die verrückte Stadt, genossen Street Food und ich konnte erstmals etwas entspannen. Auch auf dem weiteren Weg kreuzten sich immer wieder unsere Wege in Indien, dazu aber später mehr.
22-Stunden mit dem Nachtzug an die Grenze von Pakistan
In Neu Delhi entschied ich mich, mir bei der Indien-Reiseroute etwas Hilfe zu holen und erarbeitete mit dem Hostel-Besitzer eine Tour quer durchs Land. Gemeinsam planten und buchten wir Zugfahrten und Hostels für den gesamten Monat im Land – eine Entscheidung, die mir sehr geholfen hat und den Einstieg ins Backpacker-Leben erleichterte.
Von Neu Delhi ging es per Zugfahrt, die 22 Stunden dauerte, an die Grenze von Pakistan – in die beschauliche Wüstenstadt Jaisalmer. Dort gelang es mir erstmals, die Schönheit von Indien zu genießen. Eine traumhafte verschlafene Stadt in mitten einer Wüste – ich erkundete die Stadt und fand an jeder Ecke etwas neues. Begleitet von einer Gruppe Affen und frei laufenden Kühen inmitten des Stadtzentrums genoss ich die Tagesmärkte, auf den die Einheimischen exotische Gewürze, Obst, Gemüse oder frische Waren und Street Food verkauften. Eine Tagestour in die Wüste und eine damit verbundene Kamel-Safari war mein erstes unvergessliches Erlebnis in Indien.
Nach einigen Tagen ging die Reise weiter nach Jodpur, die Stadt der blauen Häuser. Eine Stadt die durch zahlreiche Tempel, Paläste und Festungen auf keiner Indienreise ausgelassen werden sollte. Das Merkmal der Stadt ist aber eher die auffällige Farbe blau – egal ob Häuser, Dächer , Tempel oder Straßen – alles in Jodpur ist blau angemalt und mit indischer Handmalerei verschönert. Ich verbrachte eine kurze aber tolle Zeit in Jodpur und erkundete das Meherangarh-Fort und zahlreiche kleine Tempel.
Da ich mir ein strammes Programm in Indien vorgenommen habe und viel erleben wollte, hieß es nach zwei Tagen Abschied nehmen und weiter ziehen nach Ajmer. Ein Wunsch meiner Zeit in Indien war es, so viel wie möglich über das Land, die Kulturen und die Menschen zu lernen und zu erleben. Ajmer ist ein besonders wichtiger Ort für die Indier und vor allem den Muslimen, da sich im Ort das Grab von Khwaja Muin-ud-diin Chishti, einem als heilig verehrter Sufi befindet. Meine Tage in Ajmer verflogen, da ich mir vorgenommen hatte die beeindruckenden Moscheen zu besuchen und in die Kultur einzutauchen.
Weiter ging es mit einer erneut interessanten Reise mit der indischen Bahn nach Jaipur. Die indische Bahn und dessen Netzwerk im Land sind extrem beeindruckend für mich. Ein kleiner Hauch Moderne in einem sonst sehr schwierigen Land. Natürlich brauchte ich einige Zugreisen um mich an die Unterschiede zum europäischen Standard zu gewöhnen, aber die Zugfahrten wurden von Fahrt zu Fahrt immer leichter und angenehmer für mich. Ich reiste in der Sleeper Class 1-3 AC, dass bedeutet eigenes Bett mit Klimaanlage im Zug. Mein Körper hatte am meisten mit den Temperaturunterschieden zu kämpfen. Im Freien waren 30 bis 40 Grad die Tagesordnung, die Züge hingegen sind Kühlschränke mit 16 Grad. Generell gewöhnte ich mich schnell an die Unterschiede. Inder sind ein sehr offenes, eher aufdringliches Völkchen und scheuen sich nicht vor einer Kontaktaufnahme mit Fremden. Außerdem sind Inder einfach ein anderer Schlag Mensch. Wie ich immer wieder feststellte, lieben es die Inder laut und auffällig zu sein und nehmen dabei keine Rücksicht auf andere.
In Jaipur angekommen genoss ich den leichten Klimawandel, da ich die Wüste hinter mir gelassen hatte und die Temperaturen nur noch zwischen 30 und 35 Grad lagen. Jaipur hatte eine absolut überwältigende Innenstadt mit alten Gebäuden und tollem Street Food. Zudem traf ich nun auch immer mehr Reisende und konnte erste Kontakt knüpfen und die Stadt mit neuen Freunden erkunden.
Weltwunder Taj Mahal in Agra
Der nächste Stopp auf meiner Route gehört wohl zu den „must have“ Orten in Indien. In Agra steht das bekannteste Bauwerk der Welt – die unter UNESCO-Weltkulturerbe stehende Anlage Taj Mahal. Ich entschied mich, lediglich eine Übernachtung in Agra zu buchen und nutze meinen Tag um das beeindruckende Mausoleum aus dem Jahr 1653 sowie das Umfeld zu erkunden. Wohl nie zuvor war ich so sprachlos und überwältigt von einem Ort. Die gigantische und prachtvolle Ruhestätte ist ein absolutes Meisterwerk und sorgte bei mir für einen emotionalen Moment.
Auf den Spuren der indischen Kultur
Von Agar und immer noch ergriffen vom unglaublichen Taj Mahal ging meine wilde Reise weiter nach Varanasi. Nach zwei langen und doch sehr anstrengend Wochen in Indien plante ich dort den ersten längeren Aufenthalt und freute mich auf ein Wiedersehen mit Joni.
Varanasi entwickelte sich schon nach wenigen Tagen zu einem echten Highlight. Ich konnte erstmals seit Reisestart durchatmen und lernte zudem wertvolles über die Kulturen in Indien. Die Stadt am heiligen Ganges ist die spirituelle Hauptstadt Indiens und zieht unzählige Hindu-Pilger aus dem ganzen Land an. Es war eine großartige Reise in eine andere Kulturwelt für mich. So konnte ich unzählige Rituale beobachten wie zum Beispiel das baden im heiligen Wasser des Ganges oder die bekannte Zeremonie der Feuerbestattung. In den engen und gewundenen Gassen und Straßen der Stadt stehen rund 2000 Tempelanlagen, eine prachtvoller als die andere. Gemeinsam mit Joni und Agi aus Ungarn macht wir eine Sonnenaufgangstour mit einem Boot über den Ganges und besuchten morgendliche Gebete und Andachten. Ich hatte eine wundervolle Zeit in Varanasi und genoss vor allem die indische Küche mit voller Leidenschaft. Um so schwerer ist mir der Abschied aus diesem Ort gefallen. Gemeinsam mit Joni ging es aus der hinduistischen Hauptstadt in das Herz der buddhistischen Kultur – nach Bodhgaya.
Der „Ort der Erleuchtung“
Ich hatte kaum Zeit meine gesammelten Eindrücke und die Tage in Varanasi zu verarbeiten, so kam auch schon die nächste unvergessliche Erfahrung. Der kleine und unauffällige Ort Bodhgaya ist bekannt als „Ort der Erleuchtung“ und gilt als Zentrum des buddhistischen Glaubens. Grund dafür ist, dass Siddhartha Gautama (Buddha) 534 v. Chr. unter einer Pappel-Feige, dem Bodhi-Baum, seine Erleuchtung erlangte. In Bodhgaya befindet sich eine der heiligsten Stätten des Buddhismus, der Mahabodhi-Tempel. Wir nutzen die einmalige Gelegenheit und erkunden unter Führung eines Buddha-Schülers die Anlage und den Tempel und tauchten tief in die buddhistische Geschichte ein. Noch heute, vier Monate nach dieser Erfahrung, prägt und beschäftigt mich der Buddhismus mit seinen Glaubenssätzen und Hintergründen sehr.
Gemeinsam mit Joni, der ein ziemlich guter Motorradfahrer ist, schnappen wir uns ein Bike und erkundeten auch die traumhafte Landschaft und Umgebung des Ortes. Für mich ist Bodhgaya bis heute einer der tollsten Orte in Indien.
Und wie alles hat auch meine Reise durch Indien, dazu gesagt wird es nicht die letzte gewesen sein, ein Ende und so kam ich nach über drei Wochen zu meinem letzten Ziel – Kalkutta oder heutzutage genannt Kolkata. Hinter mir lag eine verrückte Tour mit über 3000 Kilometern Strecke und acht unvergesslichen Orten. In Kolkata erlebte ich dann zum Abschluss ein anderes und wesentlich moderneres Indien. Die Stadt war geprägt durch die britische Kolonialzeit und noch heute ist das Stadtbild mit zahlreichen westlichen Gebäuden ein absoluter Höhepunkt. Joni und ich nutzen unsere verbleibenden Tage und genossen die moderne Stadt sehr. Und was in Kolkata nicht fehlen darf – eine Fahrt mit einem knallgelben und oft in die Jahre gekommenen Taxi durch die Stadt. Ein Hauch von London im sonst so verrückten Indien. Die Wege von meinem ersten tollen Reisebegleiter und mir trennten sich dann leider. Joni zog es nach Bangkok und ich entschied mich zu einer weiteren Zugfahrt mit der indischen Bahn in Richtung Nepal-Grenze.
Mein Fazit:
Heute, rund vier Monate nach meiner faszinierenden Zeit in Indien kann ich klar sagen, ich möchte wieder nach Indien reisen und noch viel mehr sehen und erleben. Dennoch war die Reise für mich als Einsteiger und Neu-Backpacker wohl die bislang härteste Prüfung meines Lebens. Ich musste über mich hinaus wachsen und täglich neue Herausforderungen meistern. Ich habe aber auch sehr viel gelernt - über mich und über das Reisen. Der Start in Indien war hart, aber eine meiner besten Entscheidungen bislang. Indien mit seinen Kulturen, Farben, Menschen und vielem Mehr hat einen einzigartigen Zauber und ich kann nur jedem empfehlen, diesen Zauber einmal live zu erleben.
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